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Schoenbrunn- ein Zusammentreffen verschiedener Kulturen |
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Das Land Ohio im spaeten 17. Jahrhundert war eine unbeschreiblich riesige Wildnis. Die Briten hatten Besiedlung fuer Weisse offiziell untersagt und sie war besetzt von Indianerstaemmen. Einige von diesen Staemmen wurden jedoch von europaeischen Kolonialisten westwaerts verdraengt. Unter diesen Indianergruppen befanden sich auch die Delawares, auch Lenapes genannt, welche hier in den mittleren 1700ern angekommen waren. 1772 erbauten Missionaere und Konvertierte (zum christlichen Glauben uebergewechselte Delawares) die Missionen Schoenbrunn und Gnadenhutten. Die Moravian Missionaere waren von den Delawares eingeladen worden. Frueh im Jahre 1772 verhandelten Moravian und Delaware Fuehrer ueber einen Umzug der Moravian Missionen von Pennsylvania ins Tuscarawas Tal. Fuer eine der neuen Siedlungen schlugen die Delawares eine Stelle vor, welche sich nahe an einer grossen Quelle des Tuscarawas Flusses befand. Dieser Ort befand sich ca. 20 Meilen noerdlich von Necomerstown, der Hauptstadt der Delawares. Der Anfuehrer der Missionaere, David Zeisberger, erwog diese Stelle als idealen Standort wegen der Fuelle guten Wassers und der grossen Anzahl vorhandenen Wildbrets. Ausserdem war das Land am Fluss flach und sehr fruchtbar. Dieses Stueck heilige Erde wurde in der Indianersprache "Welhik T’uppek" genannt. Die deutschsprechenden Moravians nannten es "Schoenbrunn", was soviel bedeutet wie " Wundervolle Quelle"(beautiful spring). Eine zweite Mission, Gnadenhutten genannt, wurde auch 1772 einige Meilen suedlich von Schoenbrunn erbaut. Schoenbrunn’s Stadtplan enthielt weite Strassen, eine zentralgelegene Kirche und Schule, Pferche fuer die Pferde, Obstgaerten und einen Friedhof. Urspruenglich gab es 2 Strassen, welche eine T- foermige Kreuzung bildeten. Mit der Zeit wuchs das Dorf fast um das Doppelte seiner urspruenglichen Groesse. Eine weitere Strasse wurde neu entwickelt. Jede Familie hatte seinen eigenen Bauplatz, schaetzungsweise 50-100 Fuss gross, genug Platz zum Wohnen, fuer einen Garten, einen Kuhstall, ein Huehnerhaus und weitere Gebaeude. Ein Zaun umgab das gesamte Dorf, um wilde Tiere als auch den eigenen haeuslichen Viehbestand ausserhalb des Dorfes zu halten. Feldfruechte wurden ausserhalb des Stadteigentums in gut umzaeunten Plantagen gezuechtet. Die Gebaeudestile in Schoenbrunn sind sehr mannigfaltig. Sie reichen von der einfachen, mit Rinde bedeckten, Schutzhuette bis zum quadratisch gebauten Holzhaus mit Keller und zweitem Lagerraum. Die Auswahl unterschiedlicher Gebaeudestile reflektierte die persoenlichen Vorlieben und den unterschiedlichen Stand der Mitgliedschaft in der Gemeinde. Zaeune als auch staendig genutzte Gemeinschaftsgebaeude, wie z.B. Schule und Kirche, wurden gemeinschaftlich erbaut. Das taegliche Leben in Schoenbrunn war sehr typisch fuer viele Moravian Missionen, welche vorher als auch im Nachhinein existierten. Ordnung nahm einen hohen Stellenwert ein. So z.B. beim regelmaessigen Gottesdienst, beim Schulunterricht, bei den Stadtversammlungen und waehrend der taeglichen Arbeit, die routinemaessig zu verrichten war. Die Missionaere und eine auserwaehlte Gruppe vertrauter Konvertierter leiteten die Mission. Diese Gruppe setzte sich sowohl aus Maennern als auch Frauen zusammen und funktionierte aehnlich wie ein Stadtrat. Sie leiteten die Gemeinde sowohl in geistlicher Sache als auch in buergerlichen Angelegenheiten. Die Missionsbewohner lebten einstimmig nach aufgestellten Regeln der Fuehrung, welche 1772 von Missionaeren und Konvertierten uebernommen wurden. Diese Regeln spiegelten wesentliche Inhalte des christlichen Lebenstils wieder und enthielten bestimmte Verhaltensmassnahmen. Ernsthafte Ueberschreitungen konnten letztlich zur Ausweisung aus der Mission fuehren. Bildung war grundlegend im Leben der Mission. Mehr als 100 Schueler besuchten dieserzeit die Schule und lernten Lesen und Schreiben in der Sprache der Delawares. Maennliche als auch weibliche Studenten besuchten diese erste Schule, welche sich im spaeteren Ohio Country befand. Zu spaeterer Zeit war Bildung groesstenteils auf priviligierte, maennliche Schueler beschraenkt, welche Schulen in Europa oder in amerikanischen Kolonien besuchten. Besonders viel Wert wurde auf die Arbeit in der Landwirtschaft gelegt, welche fuer den Erfolg der Mission sehr wichtig war. Somit konnte die Gemeinde zu jedem Zeitpunkt mit ausreichenden Lebensmitteln versorgt werden. Die Indianer pflegten in ihrer Tradition eine Trennung harter Arbeit, in welcher Bepflanzung und Ackerbau Frauensache war. Die Missionaere bestanden jedoch auf maennliche Teilnahme bei diesen Aktivitaeten. Der Feldanbau beinhaltete auch die traditionellen, einheimischen, amerikanischen "3 Schwestern":- Mais, Bohnen und Kuerbis. Frisches Gemuese als auch Feldfruechte, wie Kartoffeln, Rueben und Kohl, wurden in den umzaeunten Gaerten der einzelnen Familien gezuechtet. Abgesehen von einigen Aenderungen bei der Arbeit in der Landwirtschaft, mischten sich die Missionaere so wenig wie moeglich in die heimischen Braeuche der Konvertierten ein. Somit glich das taegliche Leben in der Mission sehr dem Leben in einem traditonellen Indianerdorf. Unter anderem behielten die Konvertierten ihre traditionelle Nahrung, Haushaltsausstattung, kraeutermedizinische Behandlungen, landwirtschaftliche Anbaumethoden und architektonische Verfahren bei. Handwerkliche Traditionen wie Kanubau, Korb- und Mattenflechterei, Lederarbeit und Herstellung traditioneller Kleidung, Bettzeug, Haushaltsgeraete blieben unberuehrt und intakt. Die europaeischen Konvertierten kleideten sich im europaeischen Sinne eher bescheiden. Dies gehoerte zum Brauch der Eingeborenen. In der Mission trugen sie traditionelle Gewaender und nur in beschraenkter Form Schmuck. Mit ihren indianischen Braeuchen und dem koerperliche Schmuck, wie Tattoos, Piercing und Ausweitung des aeusseren Ohrenrandes, signalisierten und erinnerten die Konvertierten taeglich an ihr frueheres Leben, bevor sie zum Christentum ueberwechselten. Schoenbrunn’s Lage an einer sehr bedeutenden Wasserstrasse fuehrte zu ueberraschend vielen Interaktionen zwischen Schoenbrunn’s Einwohnern und der aeusseren Welt. Die ungewoehnliche Mischung europaeischer und indianischer Eigenschaften charakterisierte Schoenbrunn und zog viele neugierige Besucher an. Ausserdem hatten die Missions-Konvertierten sehr starke Bindungen zu den groesseren Indianergemeinden. Die Missionaere hatten im Grossen und Ganzen nichts gegen diese Beziehungen und hiessen friedlich gesinnte indianische Besucher herzlich willkommen. Auch Haendler kamen recht haeufig nach Schoenbrunn. Sie brachten jegliche Arten von Lieferungen, ausserdem brachten sie Botschaften von ausserhalb ins Dorf und nahmen auch welche entgegen. Von allen Besuchern wurde erwartet, dass sie die in der Mission bestehenden Regeln befolgten. Alle Besucher, welche als Freunde der Indianer in der Mission erschienen, wurden mit bevorzugter Gastfreundschaft behandelt. Zeisberger’s Arbeit mit den amerikanischen Eingeborenen verkomplizierte unaufhoerlich den gegenseitigen politischen Einfluss mit den Indianern, der Kirche und buergerlichen Amtsgewalten ueber mehr als 30 Jahre. Aber die politische Situation, welcher Zeisberger in den 1770ern begegnete, brachte noch groessere Herausforderungen mit sich. Obwohl sich die meisten tiefgruendig- erinnerungswuerdigen Ereignisse der amerikanischen Revolution in den Kuestensiedlungen ereigneten, wirkte sich der Konflikt jedoch auch sehr stark auf die angrenzenden Regionen aus. Amerikanische als auch britische Anfuehrer warben beharrlich um indianische Treue und Verbundenheit, jede Bemuehung fuer ihre politischen als auch militaerischen Gruende zu unterstuetzen. Anfangs blieben die Delawares neutral in diesem Konflikt. Sie wurden jedoch immer mehr bedraengt, sowohl von innerer als auch aeusserer Gewalt, Partei zu ergreifen. Die Moravians glaubten fest an den Pazifismus. Wie auch immer, ihr Verstandnis galt eindeutig den amerikanischen Patrioten. Im Interesse der Mission schlugen sich Zeisberger und seine Missionaere auf die Seite der amerikanischen Patrioten, was er den Anfuehrern der Festung Pitt mitteilte. Dies fuehrte zu einem erheblichen Rueckschlag in ihrer Beziehung zu den Briten. Der Einfluss der Moravians auf die Delawares verpflichtete sie zu Neutralitaet waehrend der meisten Zeit der amerikanischen Revolution, was unbestreitbar zum Nutzen der amerikanischen Sache ausfiel. Schliesslich jedoch wurde die eigene Neutralitaet der Mission in Frage gestellt und ihre Sicherheit verlor mehr und mehr an Halt. Die Delawarefuehrer draengten die Missionsfuehrer, einen neuen Standort fuer die Mission auszuwaehlen, welcher sich naeher an ihrer Hauptstadt befinden sollte. Erst kuerzlich waren sie nach Goshochgunk (dem heutigen Coshocton) gezogen. Infolgedessen erbauten die Missionsfuehrer 1776 die Lichtenau Mission, welche sich nur ein paar Meilen von Goshochgung entfernt, befand. Eine Serie von Ueberlaeufen der Konvertierten und ernsthafte Bedrohungen liessen Zeisberger keine andere Wahl, als die Schliessung der Mission zu befehlen. Nachdem Schoenbrunn am 19. April 1777 geschlossen war, wurde die Schoenbrunn Kirche zerstoert um zu verhindern, dass sie von Nicht-Christen benutzt wurde. Schoenbrunn’s Bewohner zogen um nach Lichtenau. Die Konvertierten in Gnadenhutten folgten diesem Umzug ein Jahr spaeter. Nachdem Schoenbrunn geschlossen war, verstaerkte sich das Drama um die Mission im Tuscarawas Tal. In den spaeten 1770ern wurde die Unterstuetzung der Delawares fuer die Moravians immer schwaecher und die Mission war ungeschuetzter als je zuvor. 1780 beschlossen die Missionsfuehrer, dass die Lage der Mission in Lichtenau nicht sicher genug war. Sie wurde geschlossen. Die Mission Gnadenhutten wurde wieder besetzt und 2 neue Missionen wurden erbaut- Neu Schoenbrunn und Salem- beide am Tuscarawas Fluss. Im Herbst 1781 wurde das Misstrauen der Briten und Indianer immer groesser, da die Mission einen solch grossen Einfluss auf die Delawares ausuebte. Somit wurde die Mission gewaltsam von Indianern geraeumt, welche im Auftrag der Briten handelten. Die Konvertierten mussten in eine weit entfernte Region im Nordwesten Ohio’s umsiedeln. Zeisberger und seine Missionaere wurden zur britischen Festung Detroit gebracht und des Verrates beschuldigt. Ueberraschenderweise entlastete sie der Delawareanfuehrer Pipe, welcher ein frueherer Gegner war und sich fuer den Krieg einsetzte. Im fruehen Fruehling des Jahres 1782 gaben die Briten den fast verhungerten Konvertierten die Erlaubnis, zur Tuscarawas Mission zurueckzukehren und die von ihnen angebauten Feldfruechte zu ernten. Im Maerz 1782 startete der Anfuehrer der Pennsylvania Buergerwehr , Col. David Williamson, einen Feldzug ins Tuscarawas Land. Williamson’s Soldaten trafen zu dem Zeitpunkt ein, als die Konvertierten gerade ihr Mais in der Mission ernteten. Sie gaben sich nicht die Muehe, zwischen christlichen und nichtchristlichen Indianern zu unterscheiden. Die Konvertierten wurden nach Gnadenhutten gebracht und mehr als 90 von ihnen wurden am 7. und 8. Maerz im Jahre 1782 ermordet. Viele der Getoeteten waren fruehere Bewohner der Schoenbrunn Mission. Dieses Ereignis kam in den Verruf als das Massacre von Gnadenhutten. Dieses Blutbad erfuellte die Indianer mit soviel Verbitterung gegenueber den Siedlern, und es war ein sehr negativer Faktor fuer die Beziehungen zwischen Indianern und Weissen in den folgenden Jahren. Trotz der emotionalen Einwirkung des Massacres an den Missionaeren und den Konvertierten, bemuehten sich die Moravians, den Kontakt zu den Delawares ueber viele Jahre hinweg fortzusetzen. Waehrend der Indianerkriege in den 1790ern fanden die Missionen endlich ein Zuhause in Canada. Viele Nachkommen der damaligen Konvertierten leben noch heute in der Region am Thames Fluss in Ontario. In den spaeten 1790ern kam Zeisberger ins Tuscarawas Tal zurueck und errichtete die Goshen Mission, nur zwei Meilen von Schoenbrunn entfernt. Hier starb Zeisberger im Jahre 1808. Die Goshen Mission blieb bis zum Jahre 1821 bestehen. Der Wiederaufbau von Schoenbrunn In den fruehen 1920ern begann ein Gesandter der Moravians, Rev. Joseph Weinland, sich Ziele zu stecken, Schoenbrunn als Gedenkstaette zu errichten. 1921 schlossen sich ihm die Gemeindefuehrer an und bildeten die Tuscarawas County Historical Society, welche sich die Ortung der ehemaligen Schoenbrunn Mission als anfaengliche Ziele gesteckt hatte. Obwohl die Staette zu Farmland umgewandelt worden war, war jedoch die fruehere Lage in etwa bekannt. Nachforschungen im Kirchenarchiv der Moravians enthuellten den urspruenglichen Stadtplan, welcher 1772 aufgezeichnet wurde. Benutzt man diesen als Fuehrer, so erhaelt man einen archaeologischen Ueberblick der verschiedenen Gebaeude und deren Gestaltung und Lage in der Stadt. Dieses Projekt rief Interesse in ganz Ohio hervor und erhielt im Jahre 1923 einen Foerdeungszuschuss. $10.000 wurden von der Legislatur in Ohio fuer den Erwerb der urspruenglichen Staette von Schoenbrunn uebergeben. Intensive Forschung und Planung wurden in den mittleren 1920ern fortgesetzt und ein zweiter staatlicher Kapitalzuschuss trieb den Wiederaufbau der Staette an. 1927 waren das erste Blockhaus und die Schule wiedererichtet und 1935 waren 15 weitere Gebaeude wiederhergestellt. Spaetere Forschungen und archaeologische Arbeiten erfolgten in den 1960ern. Der Wideraufbau verschiedener, traditioneller Indianerhaeuser und ein Zaun im europaeischen Stil , welcher das urspruengliche Dorf umgab, wurden abgeschlossen. Historiker und Archaeologen setzten ihre Studien ueber das Dorf Schoenbrunn fort und fanden heraus, dass das wiedererbaute Dorf nicht hundertprozentig mit der urspruenglichen Lage uebereinstimmt. Trotzdem wird Schoenbrunn Village immer die Funktion einer Bildungseinrichtung haben, welches als Denkmal die Traeume von Freiheit und die Bruederschaft zwischen den Moravian Missionaeren und den Konvertierten widerspiegelt. |
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